Mittwoch, 22. Februar 2017

Mitmach-Mittwoch 1: Gedichte


Thema des Mitmach-Mittwoch #001 lautet Gedichte:

Mit Gedichten konnte mich schon mein Deutschlehrer jagen. Ich habe die meisten, die wir behandelt haben einfach nicht verstanden und deswegen auch immer falsch interpretiert. Ich habe eben schon immer lieber Geschichten gelesen und auch interpretiert.

Aber 2015 änderte sich meine Meinung gegenüber Gedichten. Zumindest ein wenig, denn ich lernte eine neue Form von Gedichten kennen: Poetry Slams. In dem Buch "Weil ich Layken liebe" von Colleen Hoover spielen Poetry Slams eine wichtige Rolle und so näherte ich mich diesem Thema an.
Hier könnt ihr mal eins der Gedichte aus dem Buch durchlesen:

Tod

Es gibt nur eins, das unausweichlich ist

im Leben. Das ist der Tod.
Bloß darüber reden wollen die Leute nicht,
das macht doch nur traurig.
Das wollen sie sich nicht vorstellen:
Dass die Welt sich weiterdreht. Ohne sie.
Dass ihre Lieben eine Zeit lang trauern,
aber dann weitermachen. Ohne sie.
Dass ihre Kinder heranwachsen,
heiraten, ihr Leben leben.
Dass alles weitergeht. Ohne sie.
Ihre Sachen verkauft,
ihre Akte geschlossen,
ihr Name verblasst.
Erinnerung.
Das wollen sie sich nicht vorstellen.
Deswegen reden die Leute nicht darüber.
Lieber hoffen sie und beten, dass
er sie vergisst oder übersieht
und sich den Nächsten in der Schlange holt,
der Tod.
Sie haben sich das nicht vorstellen wollen,
dass es mal weitergehen muss. Ohne sie.
Aber dann hat er
sie doch getroffen,
frontal,
getarnt als Achtzehntonner
in einer Nebelbank.
Nein, der Tod hätte sie nicht vergessen.
Hätten sie ihm doch nur ins Auge gesehen.
Das Unausweichliche akzeptiert,
an das Danach gedacht,
an MICH.
Begriffen, dass es nicht bloß
um sie geht und ihre Angst.
Auf dem Papier war ich schon neunzehn,
aber wie alt ich mich fühlte,
stand auf einem anderen Blatt:
unvorbereitet,
überfordert,
verantwortlich
für das Leben von einem,
der gerade mal sieben war.
Tod.
Das Einzige, das unausweichlich ist im
Leben.
(Weil ich Layken liebe, S.61-63, Will)
So schön es auch ist, Poetry Slams zu lesen: umso schöner ist es sie zu hören. Deswegen schaue ich mir gerne auf Youtube verschiedene an. Und noch schöner als Youtubevideos anzuschauen, ist es live dabei zu sein. Leider hatte ich erst ein Mal die Möglichkeit dazu, doch dieser Abend war unfassbar toll. Ich habe viel gelacht, aber auch sehr viel nachgedacht und das ein oder andere Mal die Tränen zurückhalten müssen.

 Wenn ihr neugierig geworden seid, könnt ihr hier ja mal reinschauen. Diese beiden Künstler durfte ich live sehen und es sind meine Lieblingstexte von ihnen:



Eine der bekanntesten Künsterlinnen im Bereich des Poetry Slams ist Julia Engelmann. Ihre Texte finde ich auch immer sehr schön. Von ihr besitze ich das Buch "Eines Tages, Baby", in dem sie einige ihrer Gedichte veröffentlicht hat. Insgesamt gibt es drei Bücher von ihr, die ich hoffentlich alle mal zusamen in meinem Regal stehen habe.

Im Mai findet in meiner Stadt der nächste Poetry Slam statt, bei dem ich hoffentlich wieder zuschauen kann. Denn dann werde ich sehr gespannt sein, welche tollen Texte ich dieses Mal zu hören bekomme.

Wie ist eure Meinung zu Gedichten? Mögt ihr sie, lest ihr sie gerne?
Kennt ihr vielleicht sogar Poetry Slams und schaut euch diese an?

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